Drum hinein in den Lahneburger Karneval Sonntag, 20. Mai 2012 - 11:31 Uhr
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Geschichte

Im goldenen Mainz haben 1866/67 junge Löhnberger Männer ihren Wehrdienst bei den 81 er Feldjäger abgeleistet. Dort erlebten sie erstmals den Karneval (die Fastnacht). Sie haben diese Idee mit nach Hause genommen und so wurde 1868 mit Freunden und Bekannte, mit deren Ideen und in viel Eigenarbeit erstmals ein Karnevalszug zusammengestellt, der dann am Faschingsdienstag durch das Dorf zog. Von den umliegenden Dörfern strömten die Leute herbei und schauten sich das Spektakel an. Alle waren begeistert. So wurden in den Folgejahren Fastnachtumzüge zur Tradition und Löhnberg zur Karnevalshochburg. Unbeschadet der tatsche, dass verschiedene Honoratioren eigens ein Verein gründeten „Das Blaue Kreuz“ (siehe Dorfchronik von Pfarrer Lehr) mit dem Ziel: „Bekämpfung des Alkoholismus und weltlicher Vereine, auf die Beförderung der Vergnügungssucht“. Insbesondere hatte man das Augenmerk auf die fastnachtlichen Veranstaltungen gelegt.

Trotz aller Verbote und Gegenmaßnahmen konnte man die Fastnachtsvergnügungen nie unterbinden. Durch den ersten Weltkrieg unterbrochen, wurde die alte Tradition der Umzüge 1923 wieder aufgenommen. Seit 1929 liefen die Umzüge dem Motto: „So einig wie wir stets hier leben, in Löhnberg unter einem Hut, so soll die Fastnacht fortbestehen, das wäre für den ganzen Flecken gut“.

Einen großen Umzug gab es 1929 der die Löhnberger Fastnacht im mittleren Lahntal bekannt machte. Erwähnt wird auch, dass im Winter 1929, der Fastnachtszug-Kapelle infolge des strengen Frostes die Blasinstrumente einfroren. Mit dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges wurde dem „Närrischen Trieben“ abermals ein Ende gesetzt.

1939 lief in Löhnberg der letzte Umzug. Schon in den Jahren zuvor war den Fastnachtern ein Maulkorb durch die NS-Regim verordnet worden. So durften bei Umzügen keine Figuren aus Staat und Politik karikiert werden. Demgemäß stellten die Festwagen nur allgemeine Themen und Vorkommnisse aus dem Dorf dar. Doch schon 1947 wurde, zunächst durch die Sängervereinigung Rheingold, die Fastnacht zu neuem Leben erweckt. Die Veranstaltungen fanden im Saalbau Bock statt und wurden als närrischer Kostümball aufgezogen.

Im November und Dezember 1949 trafen sich wiederholt die alten Karnevalisten aus der Vorkriegszeit und beschlossen, dass 1950 wieder ein Umzug in Löhnberg laufen sollte. Allerdings sollten junge Karnevalsfreunde im Komiteenachrücken. Die Aufzeichnungen nennen zuvorderst die Narren der Karnevalisten bis 1939: Alfred Schmidt, Otto Zipp, Willi Zipp, Wilhelm Schütz, Willi Keller, Albert Fischer, Albert Schuster, Wilhelm Knoth, Hermann Schmidt, Albert Geis, Wilhelm Erbe II, Heinrich Müller, Karl Strum, Otto Knögel, Walter Bördner, Eugen Schermuly, Fritz Menger.

Einen neuen Elferrat!

Am 19. und 25 November 1949 trafen sich im Gasthaus „Schittenhelm“ die alten Karnevalisten, aus der Zeit vor dem letzten Krieg, verstärkt durch inzwischen nachgewachsene junge Fastnachter und gründeten dort einen neuen Elferrat. Noch in der Gründungssitzung wurde beschlossen, in der kommenden Saison einen Umzug zu starten. Dieser Elferrat gab sich damals den Namen „Karneval Komitee Lahneburg“.

Gewählt wurde: zum Präsidenten Walter Bördner, Organisationsminister Gerhard Zipp, Finanzminister Heinz Jung, darüber hinaus Helmut Nies, Rudi Bahr, Erich Menger, Erich Cromm, August Deißmann, Horst Daniel, Walter Schäfer, Ernst Bußweiler.

Die Kassenführung übernahm sofort der neue närrische Finanzminister Heinz Jung. Das Starkapital aus der Zeit vor dem Krieg, war durch die Währungsreform 1948 auf DM 22,83 zusammengeschmolzen.

Im einem groß angelegten Spendenprogramm sorgten die Löhnberger Karnevalisten, an der Spitze Orga.Minister Gerhard Zipp und Finanzminister Heinz Jung dafür, dass Geplantes Wirklichkeit wurde.

Die „Laneburger“, wie sich die Löhnberger in der närrischen Zeit gerne nennen, stellten innerhalb der kurzen Zeit bis Februar 1950 einen Umzug bestehend aus 54 Gruppen und Wagen zusammen. Außerdem fanden im Saalbau Bock noch Kappensitzungen statt.

Der Tus veranstaltete 14 Tage vor der Großen Kappensitzung seinen traditionellen Maskenball. Wer die Veranstaltung besuchen wollte, musste maskiert sein. Punkt Mitternacht erfolgte die Demaskierung. Die schönsten Masken wurden prämiert.

In einer turbulenten Nachtsitzung des Komitees bei W. Bördner wurde erwogen, dem Altpräsidenten Alfred Schmidt das Amt und die Ehre des Prinzen Karneval anzutragen. Alfred Schmidt erklärte dann frühmorgens gegenüber den Komiteemitgliedern, W. Bördner, G. Zipp, H. Jung und H. Nies, die Regentschaft und das Zepter in der neuen Laneburger Karnevalsepoche 1950 als „Prinz Alfred I.“ zu übernehmen.

Der Löhnberger Reinhold Leichthammer übergab den Karnevalisten den eigens von ihm getexteten und vom damaligen Chorleiter SGV Rheingold Willi Dreuth vertonten Karnevalsmarsch: „Drum hinein in den Löhnberger Karneval“.

Unter dem Motto:
„Is aach des leewe iwerall voll Sorje un Gedanke, seid lustig, usser Fassenacht kuriert den schlimmste Kranke Sina ach die Zeire noch so hoard, des derf euch net betriwe Halt hoch die Lemerjer Fassenacht, Humor, Wurscht un die Liebe“


Tausende Besucher von Nah und Fern sahen den ersten, großen, gelungenen Fastnachtzug nach dem zweiten Weltkrieg. Die Tageszeitungen berichteten von dem großen Ereignis aus der „Hochburg der Fastnacht an der Lahn“.

Das Jahr 1951 stellte das junge Komitee vor neue Probleme. Im Komitee kam es zu Umbesetzung. Alfred Schmidt wurde wieder Präsident, G. Zipp neuer Sitzungspräsidenten. H. Jung als närr. Finanzminister, H. Nies, R. Bahr, blieben der Fastnacht und dem Komitee erhalten. Als neue Mitglieder kamen hinzu W. Rathschlag, W. Maar, H. Caspari, W. Bördner, A. Deißmann, H. Leichthammer und H. Schmidt.

August Deißmann übernahm in der Kampagne 1951 die Regentschaft als „Prinz August I.“ Tageszeitungen berichteten vom großen Erfolg der Kappensitzungen und ergänzten: „Die 11 Männer vom Komitee unter der Leitung von G. Zipp, konnten keinen größeren Erfolg erwarten, doch sie haben nun noch eine größere Aufgabe , vor allem den Fastnachtszug. Die Ouvertüre des Laneburger Karnevals ist gelungen, wie wird erst das Finale sein??“.

Hier sei vom Chronisten angemerkt:“ Das Finale konnte nicht besser und erfolgreicher sein Es war die echte, die Laneburger Fassenacht.

1951 das Finale konnte nicht besser sein, der Fastnachtzug mit seinen 54 Gruppen und Wagen war grandios. Tausende Besucher sahen sich das Spektakel an. Aber dem Fastnachtdienstag ging ja noch ein Rosenmontagabend voraus. Der damalige Bürgermeister Lehr mit seinem Gemeinderat hatte die Karnevalisten für den Rosenmontagabend zur, noch im Rohbau stehenden, Volkshalle gebeten. Was lag näher für das Komitee als die (von der Presse so hoch gelobten) Akteure von der Kappensitzung des vorhergehenden Samstags zu aktivieren. „De Gemaaroat“ war vollständig auf der noch nicht überdachen Empore der Halle angetreten, einheitlich mit schwarzen Papierzylindern behutet.

„Prinz August I.“ mit Hofnarr (Wilhelm Gelbert, dem Löhnberger Original - Maleotto genannt) geleitet vom Zeremonienmeister Theodor Fischer, begleitet von der Prinzengarde, vornweg die Kommandeuse Lieselotte Müller, würde auf der Empore empfangen. Die zahlreichen Löhnberger Mitglieder der Weilburger Bürgergarde (Blasmusik) fanden sich spontan ein und spielten auf. Zirkus Murri – unter seinem Direktor Karlheinz Lehnhardt -gab eine Kurzvorstellung im Hofe des ehemaligen Brandplatzes. All die vielen aktiven Karnevalisten und schaulustigen Bürger (de halwe Fleck woar doa) machten den Ortsgewaltigen ihre Aufwartung. Die Honorationen wechselten kurze Begrüßungsworte, da begann es zu regnen was das Zeug hielt. Weder die Ortgewaltigen, allesamt mit Papierzylinder behutet , noch die Karnevalisten ließen sich vom Wettergott beeinflussen. Es wurde gesungen, geschunkelt, gelacht, es war einfach toll. Das war die echte Laneburger Fassenacht. Nun ja, die Sache nahm ihren Lauf, alle wurden nass und immer nässer. Und dann, ob des Regens, weichten die Papierzylinder langsam aber sicher auf und nach und nach standen die Ortsgewaltigen mit einem schwarzen Papierkragen (Papierhutrand) um den Hals auf der Empore. Das Gelächter war groß, aber die Herren hielten tapfer aus. Für die Komiteeler war dieser Abend die Inbesitznahme der zukünftigen „Löhnberger Narhalla“. So etwas kostete natürlich auch Geld. Der Präsident, der Orgaleiter und der Finanzminister waren sich spontan darüber einig geworden, den Ausbau und die Gestaltung der Bühne zu finanzieren. Vom Komitee abgesegnet wurde so verfahren. Hier sollte unser langjähriges Ko- Mitglied Rudi Bahr erwähnt werden, der mit dem Oraleiter Gerhard Zipp (inzwischen zum Präsidenten gewählt) zusammen ein tolles Bühnenbild (die Laneburg) gestaltete. Der Saal wurde in mühevoller Arbeit von den Komiteemitgliedern in einen wahren siebten Fastnachts-Himmel verwandelt. Tausende bunte Metallfolien ließen den Saal in allen Farben erstrahlen. Von den Wänden grüßten fast lebensgroß gestaltete bunte Fastnachtsfiguren (gestaltet von der Braut des späteren Kirchenpräsidenten, aus Löhnberg stammenden Helmut Hild).

In der Kampagne 1952 erklangen erstmals die Fastnachtsfanfaren in der Neuerbauten „Laneburger Narhalla“

Als Prinz Fritz I. (Fritz Geisler) mit großem Gefolge, dem neugewählten Präsidenten Gerhard Zipp mit seinen närrischen Ministern und Kollegen Einzug in die Halle hielt, wollte der Beifall keinen Ende nehmen. Büttenredener aus Nah und Fern stellten sich vor, aber der heimische Karnevalist Helmut Nies war unübertroffen mit seinen Vorträgen. Viele Jahre war er „der Laneburger Büttenredner"!

Die Zeit der Fastnachtsumzüge in Löhnberg schienen vorbei. Bis heute werden die traditionellen großen Prunksitzungen und Maskenbälle (des TuS) in diesem Hause veranstaltet. Einmal noch, im Jahre 1953, schlängelte sich ein Festzug durch die Straßen Löhnbergs. Es war der Größte und aufwendigste Zug in der Geschichte der Löhnberger Fastnacht.<7p>

Prinz Willi I. (Willi Wershofen) erwies seine Referenz dem Närrischen Volk aus einem über dimensionalen Weinpokal (seine Heimat war die Aar, da wachst der Wein so gut). 62 Wagen und Gruppen, mehr als 1 km lang, bildeten einen noch nie dagewesenen Umzug. Abertausende Besucher säumten die Straßen. Ein voller Erfolg.

Die Prunksitzungen in der Halle waren die absoluten Glanzpunkte der Laneburger Fastnacht. Löhnberg war von nun an die absolute „Metropole des Karneval an der Lahn“.

Am Aschermittwoch 1954 konnte man in allen Zeitungen lesen: „Ein bis dahin nicht dagewesenes Ereignis vollzog sich in der Laneburg. „Prinz Helmut I." (Helmut Leichthammer) seines Zeichens arbeitsloser Zimmermann (infolge des strengen Winters) übernahm das Zepter der Laneburger Fastnacht. Das Motto der Kampagne lautet: Nicht Reichtum und Geld braucht man hier um fröhlich und voller Humor zu sein, allein der Sinn für die Fastnacht beflügelt die Löhnberger zu größten Opfern.

In den Folgejahren traten immer wieder „Laneburger“ ins Rampenlicht, waren viele Jahre auf der Bühne und schienen unvergessen. Wie Anfang der 50erJahren Heiner und Phillip, in Frack mit Melone, (Heinz Caspari und Rudi Bahr) die den Löhnberger Klatsch gekonnt glossierten, bis Karl und Erna ( Das Ehepaar Rödelsberger ) den Platz vor der Bütt für viele Jahre belegten. Übrigens war Karl im Nebenberuf in der Kampagne 1955 Prinz Karl I. neben Karl und den altbekannten Jecken auf der Bühne ins Rampenlicht, Willi Wershofen (gewesener Prinz) ,das Nachwuchstalent Gottfried Menger, sowie das Gesangstrio mit Egon Schamp, so erfolgreich, dass sie in den kommenden Jahrzehnten, als HARWIGS bekannt , einen festen Platz im Laneburger Karneval hatten. Egon, von den Harwigs, war schon als 17 jähriger in der Kampagne 1957 als singender Prinz Egon I. ins Rampenlicht getreten.

Es war auch das Jahr in dem der seit der Vorkriegszeit amtierenden Zremonienmeister Theodor Fischer die Stabführung für viele Jahre an Heinz Strauß abgegeben hat.

Zum 90 jährigen Jubiläum 1958 der Laneburger Fastnacht residierte Prinz Winfried I. (Winfried Geis). Zu dieser Zeit setzten die zur „Hofkapelle der Lanebuger „ ernannten Egerländer Musikanten unter der Leitung von Rudi Kugler mit dem Laneburger Schunkelwalzer, Text und Musik von ihren Frank Mannert und Karl Lenkl, in der Laneburg neue Akzente.

Nach Prinz Winfried I. resendierten in der Lahneburger Fassenach noch viel weitere Prinzen. 1992 wurde das Fassenachtstreiben nocheinmals durch den Golfkrieg unterbrochen.

Die Kampagne 2007 - 2008 wurde am 11.11.2007 anders als alle anderen. Zum ersten mal in der Geschichte der Lahneburger Fassenacht regierte eine Prinzessin die Narrenschar. Es handelt sich dabei um Prinzessin Ute I. (Ute Deismann-Hauser). Mit Ihrem Schlachtruf "Helau, der Löhnberger Prinz ist eine Frau!" startete Sie in die Kampagne 2008. In diesem Jahr erlebte die Lahneburger Fassenacht noch eine Premiere. Den Prinzessin Ute I. hat mit Ihren Kameradinnen von den Sauerbornspatzen, eine Frauensitzung ins Leben gerufen, die ein voller Erfolg wurde und in den Folgejahren wiederholt wurden und mit einer vollen Volkshalle belohnt wurde.